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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Betriebsräten in den USA: Unterschiedliche Philosophien, von Martin Anton

Regensburg (ots) - Dass sich Politiker aktiv gegen die Einrichtung von Arbeitnehmervertretungen einsetzen, ist in Deutschland unvorstellbar und erinnert im ersten Moment an die Zustände in Südafrika zu Zeiten der Apartheid. Nun ist die USA natürlich - nicht mal im Süden - kein autoritäres Regime. Der Fall Volkswagen zeigt aber, dass es dies- und jenseits des Atlantiks grundsätzliche Unterschiede im unternehmerischen Selbstverständnis gibt. Sicher, die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen ist bei Unternehmen in Europa ebenso wie in den USA ein beliebtes Instrument, um sich gewisse Freiheiten und Vorteile zu schaffen und zu sichern. In Deutschland und weiten Teilen Europas zeigt sich aber zumindest ansatzweise, dass die Wirtschaft glaubt, von motivierten, gesunden und engagierten Beschäftigten profitieren zu können. Die US-Amerikaner sehen aber nach wie vor ihre Version unternehmerischer Freiheit als heilig an. Jede Einmischung riecht dementsprechend nach Kommunismus. Die Organisation von Beschäftigten in Gewerkschaften oder dem vor allem in Deutschland und Österreich verbreiteten Betriebsrat-System sowieso. Am Beispiel in Tennessee kann man sehen, dass dieses Denken auch in der Belegschaft verbreitet ist. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes war größer als der Wunsch, aus einer gestärkten Position über Gehälter und Dinge wie Arbeitssicherheit verhandeln zu können. Volkswagen hat sich in Chattanooga für den Betriebsrat eingesetzt. Trotzdem wird der Konzern sicherlich nicht traurig sein, wie bisher in den US-Südstaaten weitermachen zu können und so von der US-amerikanischen Unternehmer-Philosophie zu profitieren. Die Attraktivität dieser Philosophie könnte noch in einem anderen Zusammenhang bald eine Rolle spielen: beim transatlantischen Freihandelsabkommen.

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