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Aachener Nachrichten: Ein Neubeginn? - Griechenland-Debatte: Beendet endlich die Schlammschlacht; Ein Kommentar von Joachim Zinsen

Aachen (ots) - Nur mal kurz nebenbei gefragt: Wie viel Zeit ist eigentlich seit dem Wahlsieg von Alexis Tsipras vergangen? Ach ja: ganze zwei Monate. Seither hat die neue griechische Regierung ein humanitäres Notprogramm für die Ärmsten der Armen durch das Athener Parlament gebracht und ein Gesetz verabschieden lassen, das ausstehende Steuerschulden in ihre Kassen spülen soll. Alles zu wenig und zu langsam, meckern viele deutsche Politiker und Medien. Mit Verlaub: Was verlangen die Kritiker von "den Griechen"? Knapp neun Wochen nach einer Wahl sind in Deutschland gewöhnlich nicht einmal die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen, geschweige denn neue Gesetze auf den Weg gebracht worden. Aber den Griechen steht doch das Wasser bis zum Hals, sollen ihre Kabinettsmitglieder endlich schneller arbeiten und nicht so viele Interviews geben. Wieder dürfen wir uns wundern. Denn der Vorwurf kommt ausgerechnet von beliebten Talkshow-Dauergästen wie Unionsfraktionschef Volker Kauder oder seinem sozialdemokratischen Kollegen Thomas Oppermann. Also von Politikern, die gewöhnlich an keinem Mikrofon vorbeigehen. Ja, die Griechenland-Debatte war bisher eine Schlammschlacht auf sehr überschaubarem, manchmal sogar verlogenem Niveau. Dafür waren allerdings nicht nur Politiker verantwortlich. Viele Medien - und zwar nicht allein die "Bild" - haben beim Spiel "Haut-den-Griechen" eifrig mitgemacht. Höhepunkt war der unsägliche Versuch von Günther Jauch, dem Athener Finanzminister Gianis Varoufakis mit völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten zu unterstellen, er habe "uns Deutschen" den Stinkefinger gezeigt. Die renommierte "Neue Zürcher Zeitung", gewiss kein linkes Kampfblatt, hat das als Kampagnenjournalismus verurteilt und den Rücktritt Jauchs gefordert. Ein bemerkenswerter Blick von außen auf den medialen Ton in Deutschland gegenüber "den Griechen". Hoffentlich ändert sich das nach dem Besuch von Alexis Tsipras in Berlin. Hoffentlich verabschieden sich jetzt einige politische Akteure von ihren Kindergarten-Manieren. Dazu gehört: Glauben wir dem griechischen Regierungschef doch zunächst einmal das Versprechen, sein dringend reformbedürftiges Land tatsächlich umkrempeln zu wollen. Zumindest bis zum Beweis des Gegenteils. Tsipras hat immer gesagt, dass er Korruption, Steuerflucht und Steuerhinterziehung energisch bekämpfen will. Warum jetzt schon lautstark daran zweifeln? Diese Reformen würden dem Land und letztlich Europa tatsächlich weiterhelfen. Das unterscheidet sie von vielen anderen, ökonomisch und sozial häufig verheerenden Vorgaben der Troika aus der Vergangenheit. Dass Tsipras Pläne von den Geldgebern kritisch begleiten werden, versteht sich von selbst. Klar muss dabei aber sein: Die durch und durch marode griechische Verwaltung lässt sich nicht von heute auf morgen in ein modernes Staatswesen umbauen. Eine effiziente Steuerbehörde und ein modernes Katasteramt aufzubauen, dazu braucht es Zeit, Geduld und Hilfe. Vor allem aber sind Partner notwendig, die der griechischen Regierung eine Chance geben wollen.

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