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Frank Plasberg: "Mir ist die Hutschnur geplatzt"
Appell gegen Anonymität im Netz

Köln (ots) - Mit der heutigen Rückkehr aus der Weihnachtspause will Gastgeber Frank Plasberg in seinem ARD-Talk "Hart aber fair" keine anonymen Zuschauerbeiträge mehr in die Sendung nehmen. Im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de formuliert Plasberg einen Appell gegen Anonymität im Netz. "Visier auf, Meinung und Name gehören zusammen", sagt der Moderator.

Schon in seiner letzten Sendung vor Weihnachten kündigte Frank Plasberg die Änderung bei "Hart aber fair" an, jetzt erklärt er ausführlicher, warum anonyme Kommentare im Gästebuch der von Anfang an auf Zuschauerbeteiligung ausgelegten Talkshow nicht mehr in die Sendung genommen werden sollen. "'Hart aber fair' hatte immer das Motto 'Talk auf Augenhöhe' und für Augenhöhe braucht man ein offenes Visier und sollte seinen Gegner mindestens mit seinem Namen kennenlernen und ansprechen können", sagt Plasberg im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de. Für Anonymität bei Meinungsäußerungen im Netz hat Journalist und Moderator Frank Plasberg kein Verständnis: "Wenn sich jemand Cassandra23, Miesepeter24 oder A.Donis nennt, dann zeigt das für mich einen gewissen Unwillen mit seinem Namen oder seinem Gesicht für seine Meinung einzustehen. Mein Appell ist: Visier auf, Meinung und Name gehören zusammen."

"Ich glaube, dass wir uns alle schleichend daran gewöhnt haben, dass die Anonymität nun einmal ein selbstverständlicher Bestandteil einer Meinungskultur im Netz sei. Ich habe das auch für mich viel zu lange hingenommen", erklärt Plasberg gegenüber DWDL.de. Doch warum jetzt der Sinneswandel? Seine Antwort: "Ich empfand es als beschämend, wenn ich meinen Gesprächsgästen nicht wirklich sagen konnte, wer ihnen da gerade u.U. scharf widerspricht. Ich hatte aber, offen gesagt, auch Angst mich gegen anonyme Kommentare auszusprechen. Ich will ja weder als Ewiggestriger gelten noch als Internet-feindlich oder gar undemokratisch den Zuschauern gegenüber. Ich glaube die Sorge hat mich lange gehemmt, aber gestört hat mich das schon länger und im Dezember, als ich noch mal intensiv das Gästebuch durchgelesen habe, ist mir die Hutschnur geplatzt: Ich wünsche mit einfach einen Meinungsaustausch auf Augenhöhe."

Besonders heiß diskutiert werde bei "Hart aber fair" seiner Meinung nach übrigens "sobald das Thema Immigration auftaucht zum Beispiel. Und sobald Hartz IV angesprochen wird, was immer ein Thema mit hoher Beteiligung von beiden Seiten ist. Oder auch wenn man beispielsweise einen Gast wie Michel Friedman hat, kann man mit mehr problematischen, polemischen Netz-Beiträgen zur Sendung rechnen als üblich." Die Diskussionskultur zwischen seinen Studiogästen habe sich hingegen verbessert. "Ich stelle fest, dass heutzutage sehr viel mehr passieren muss, damit Menschen aus der Haut fahren. Das ist eine neue Art von Diskussionssouveränität, die sich in den vergangenen Jahren bei vielen Personen der Öffentlichkeit regelrecht ausgebildet hat", so Plasberg im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de. "Spannungen aushalten zu können, ist auch ein Zeichen einer gereiften Diskussionskultur. Die ist unaufgeregter, was ich aber nicht bedauere. An Krawall war ich nie interessiert."

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