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neues deutschland: Waffenstillstand in Kolumbien: Wackliger Friedensprozess

Berlin (ots) - Es ist fraglos ein wichtiger Schritt: Kolumbiens Regierung und die Rebellen der FARC-Guerilla haben sich in Havanna auf einen definitiven Waffenstillstand verständigt. In Havanna, weil dort seit 2012 die Friedensgespräche zur Beendigung eines bewaffneten Konfliktes laufen, der seit Jahrzehnten anhält und auch während der Verhandlungen munter weiter betrieben wurde. Damit soll jetzt Schluss sein, die noch rund 8000 FARC-Kämpfer sollen die Waffen niederlegen. So positiv diese Nachricht klingt, so vorsichtig ist sie zu bewerten. Zwar dürfte der Weg zum Abschluss eines formalen Friedensvertrags damit geebnet sein, doch dieser Friedensvertrag ist bestenfalls der Anfang eines Friedensprozesses, der bereits vor Abschluss des Vertrages auf tönernen Füßen steht. Während in Havanna verhandelt wird, schaffen die formal 2006 entwaffneten paramilitärischen Vereinigten Bürgerwehren Kolumbiens (AUC) weiter blutige Tatsachen, vertreiben beispielsweise Indigene und Afrokolumbianer im Chocó, um Platz für Plantagen für Großgrundbesitzer zu schaffen. Die Überbleibsel der AUC werden in zynischer Untertreibung als kriminelle Banden (Bacrim) bezeichnet - an ihrer Praxis ändert das nichts und die Regierung bekämpft sie nicht ernsthaft. Dass die FARC-Guerilla zum Waffenstillstand bereit ist, ist nicht neu. Dass sie die Waffen niederlegen, solange die Paramilitärs im neuen Gewand weiter wüten, bleibt unwahrscheinlich. Und das mit Recht.

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