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neues deutschland: über neue Tote im Mittelmeer

Berlin (ots) - Nun ertrinken die Menschen wieder bootsladungsweise. Europa hat die weniger tödliche Route über den Balkan verriegelt, mit massenhafter Todesfolge im Mittelmeer. Die Folge war abzusehen, sie wurde in Kauf genommen. Längst ist die große Aufregung verschwunden. Auch an Land gespülte Kinderleichen können den Alltag im vermeintlichen Sehnsuchtsort Europa nicht auf Dauer aus dem Tritt bringen. Das Massensterben von Menschen auf der Flucht landet in kollektiver Wahrnehmungsroutine. Dort, wo seit langem das Massensterben abgelegt wird, dem die Unglücklichen sich durch Flucht zu entziehen versuchen. Jeder Anflug von Innehalten verliert sich in der Erkenntnis, dass man nichts tun kann. Und die Empathie, die viele Menschen hierzulande, die Bundeskanzlerin eingeschlossen, im Angesicht abertausendfacher offenkundiger Verzweiflung ergriff, glimmt nur noch als Erschrecken auf, wenn sie erneut droht, die eigenen Grenzen zu passieren.

Doch es ist Vorsorge getroffen. Der jüngste Pfeiler im Absperrzaun, den Deutschland angeblich aus prinzipiellen Gründen ablehnt, trägt den fröhlichen Titel »Integrationsgesetz«. Er ergänzt diverse Asylpakete in seinen restriktiven Bestandteilen und trifft Maßnahmen für eine bereitwillige Anpassung der auserwählten Neubürger an hiesige Gepflogenheiten. Viele werden dankbar für die Chance sein und sie nutzen. Für die meisten aber sind die Folgen fatal. Für die Abgeschobenen, aber auch für jene, die bleiben. Über hiesige Routinen müssen sie noch viel lernen.

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