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neues deutschland: Placebo statt Kita-Anspruch

Berlin (ots) - Das Gericht hat entschieden, und man möchte sich den Hinweis verkneifen, dass es ein sächsisches war. Es entschied, dass Eltern keinen Schadensersatzanspruch haben, wenn sie wegen fehlenden Kitaplatzes einen Verdienstausfall erleiden. Es ist zwar eine sächsische Eigenart, besonders schnell die konservative Weltsicht übernommen zu haben, die erst zum Abriss der DDR-Kindergärten und dann zum großen Katzenjammer führte, nachdem klar wurde, dass Kitaplätze kein Auslaufmodell sind. Doch nicht nur die Sachsen haben damit zu kämpfen, dass die vorhandenen Kitaplätze den Bedarf nicht decken. Die Richterentscheidung wäre anderswo ganz ähnlich ausgefallen. Nachvollziehbar wird sie deshalb nicht. Das Recht der Ein- bis Dreijährigen zu schützen, ihre Eltern aber auszuklammern, ist weltfremd. Wie wären denn die Kinder zu entschädigen für den Verlust an Lebensbildung, den die Richter konstatieren? Durch Gutscheine? Das Gesetz schuf den Anspruch auf einen Kitaplatz. Doch ohne Druckmittel ist dieser nichts wert. Monetärer Druck erst pflegt die Bürokratie zu höherem Tempo zu veranlassen. Überdies sind frühkindliche Erziehungsvorteile auch nur ein Argument für die Kita. Nicht zuletzt die Wirtschaft war es, deren Interessen in den Sinnenswandel einflossen, dass der alleinverdienende Familienvater passé ist und die moderne Welt flexible Eltern braucht. Der Kitaplatz ist dafür Voraussetzung.

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