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neues deutschland: Banken-Stresstest

Berlin (ots) - Nachdem die Finanzbranche nach 2008 weltweit in den Abgrund schaute und mit dem drohenden Kollaps auch die Konjunktur auf eine historische Talfahrt zusteuerte, entbrannte eine heftige Debatte um Ursachen und politische Konsequenzen. Die Forderungen reichten von der Verstaatlichung beziehungsweise Zerschlagung systemrelevanter Institute über die Entschleunigung der Finanzgeschäfte durch eine entsprechende Steuer bis hin zur Austrocknung des Spekulationssumpfes durch Verbote oder eine Neujustierung staatlicher Verteilungspolitik. Nichts davon ist bisher umgesetzt. Selbst das relativ einfach zu erzwingende Trennbankensystem, mit dem das Erpressungspotenzial angeschlagener Institute gegenüber der öffentlichen Hand ins Leere laufen würde, bleibt eine Fata Morgana. Stattdessen sonnt man sich in den Ergebnissen des Bankenstresstestes. Mit ihm soll verlorenes Vertrauen in die Kreditwirtschaft wiederhergestellt werden, indem eigenkapitalschwache schwarze Schafe gebrandmarkt und ausgesondert werden. Letztere fanden sich beim Bilanzencheck - wen wundert es - vor allem im auch durch die strikten Sparvorgaben der Troika gebeutelten Südeuropa. Jeder kreative Bilanzbuchalter kennt freilich die Spielräume seines Jobs: Beim Finanzamt müssen Tränen fließen. Potenzielle Kreditgeber hingegen wollen Vertrauen und solide Bilanzen. Nachdem die Technokraten der EZB ihren Job erledigt haben, steht ein an der Realität gemessener Stresstest - nicht nur für europäische Banken - weiter aus.

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