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neues deutschland: Ebola-Experiment

Berlin (ots) - Es ist eine schwierige Frage: Soll ein bislang nur an Affen getestetes Medikament in Westafrika gegen die Ebola-Epidemie eingesetzt werden? Liberias Präsidentin will »ZMapp« an erkrankte Ärzte ausgeben lassen. Dies kann man verstehen: Es mangelt an Medizinern, obwohl sie eine Hauptrolle bei der Eindämmung der Epidemie spielen. Und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält den Einsatz wegen der hohen Todesrate Infizierter generell für gerechtfertigt. Hilfsorganisationen hingegen sind äußerst skeptisch. Ebenfalls verständlich: Da weder eine Wirkung des Medikaments erwiesen noch Nebenwirkungen erforscht sind, handelt es sich um ein moralisch fragwürdiges Experiment. Mit womöglich negativen praktischen Folgen: Wird ein Medikament verabreicht, das Patienten noch kranker macht, könnte dies das Vertrauen der Bevölkerung in die Ärzte erschüttern. Unabhängig davon muss auch der WHO klar sein: Wundermittel gegen Ebola gibt es nicht. Es wird ein langer, umfangreicher Hilfseinsatz werden - bei den Kosten ist natürlich vor allem die Staatengemeinschaft gefragt. Und hier mangelt es an Engagement. Wie auch in der Pharmaindus-trie: Angesichts bislang geringer Krankenzahlen und des Auftretens in armen Ländern winkte bei Ebola kein Geschäft. Das Vorhandensein wenigstens unerprobter Medikamente ist dem Zufall geschuldet, dass das US-Militär mal Geld springen ließ. Jetzt bekommt der »ZMapp«-Hersteller auch noch ein großes Experimentierfeld. Es muss dringend etwas an den Strukturen im globalen Gesundheitssystem verändert werden.

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