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neues deutschland: Jämmerliches Ende der jüngsten Auschwitz-Verfahren

Berlin (ots) - Spät hatte die Bundesrepublik begonnen, gegen SS-Leute zu ermitteln, die als Aufseher am Menschheitsverbrechen von Auschwitz beteiligt gewesen waren - nämlich im Herbst vergangenen Jahres. Zu spät, wie sich herausstellt: In elf der 30 im September eröffneten Ermittlungsverfahren werden die Aktendeckel nun wieder geschlossen. Die betagten Beschuldigten seien nicht verhandlungsfähig, befand die Justiz in Bayern und Niedersachsen. Es ist nicht auszuschließen, dass auch von den restlichen Schergen kaum einer vor Gericht landet - geschweige denn in Haft. Dass das so kommen konnte, ist eine dauerhafte Schande für die bundesdeutsche Justiz. Man rede sich nicht damit heraus, erst der »Fall« des ukrainischen SS-Wächters John Demjanjuk vor einigen Jahren habe eine juristische Präzedenz geschaffen. Vorher hatte ganz einfach niemand im Westen ein solches Verfahren je einzuleiten versucht. In den 1950ern verurteilten westdeutsche Gerichte an die hundert deutsche Soldaten, die in sowjetischen Lagern Funktionen innehatten, als »Kameradenschinder« zu Gefängnis zwischen einigen Monaten und 15 Jahren. Nach den Auschwitzwächtern dagegen krähte kein Hahn, bis gegen sie kaum noch prozessiert werden konnte. Das ist, was vom grausigen 20. Jahrhundert bleibt. Und wofür sich dieses Land zu schämen hat.

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