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neues deutschland: Bergwerksunglück in der Türkei: Unterirdische Machtarroganz

Berlin (ots) - Die Reaktionen nach dem Grubenunglück von Dienstagnacht in der Westtürkei sind nicht allein von Schrecken und Trauer geprägt, sondern auch von Wut und Protest. Es ist kein altkluges Räsonieren, wenn man schon jetzt, lange vor der Klärung der Unglücksursachen, in der Türkei ziemlich sicher weiß: So wie die wiederholten Brandkatastrophen in bengalischen Textilfabriken keinesfalls mit einer Verkettung unglücklicher Umstände erklärt werden dürfen, ist auch die Lebensgefahr im Job gerade eines türkischen Kumpels nicht bloß den üblichen Unwägbarkeiten des Bergbaus geschuldet. Man muss die Toten von Soma nicht dem unmittelbaren persönlichen Schuldkonto von Ministerpräsident Erdogan zuordnen. Sehr wohl aber der zuallererst von ihm geprägten Attitüde der Selbstherrlichkeit seiner Partei im Parlament und dem von ihm immer mehr in Anspruch genommenen Nimbus der Unfehlbarkeit. Dies rückt jeden Antrag der Opposition zur Verbesserung in welcher Angelegenheit auch immer in den Ruch von Majestätsbeleidigung - Ablehnung ist unausweichliche Folge. Wer das Procedere der Abstimmungen im Bundestag kennt, dem dürfte das alles sehr bekannt vorkommen. So scheiterte im Parlament von Ankara im April auch ein Antrag, die Bergbaugesellschaft in Soma staatlichen Kontrollen zu unterwerfen, an dieser unterirdischen Form von Machtarroganz bei Erdogans Partei. »Kein Unfall, Massenmord«, sagen die Gewerkschaften nun sehr zu recht.

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