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neues deutschland: Karlsruher Urteil zum ZDF: Facettenreich

Berlin (ots) - Das Karlsruher Urteil zur Staatsferne der ZDF-Gremien ist eine deutliche Klatsche für die langjährige Selbstgerechtigkeit des schwarz-roten Parteienkartells. Das Urteil gibt zudem Anlass, sich grundsätzlich mit der Beschaffenheit einer Öffentlichkeit auseinanderzusetzen, deren politische Signatur sich seit Jahrzehnten selbst reproduziert hat: Was Mehrheitsperspektive ist, blieb Mehrheitsperspektive, solange die Entscheidungen über Köpfe und Inhalte, die die Perspektive mitformten, selbst nichts anderes waren als ein Ausfluss dieser Mehrheitsperspektive. Wird das nun anders? Damit die res publica öffentlich-rechtlicher Rundfunk nicht länger Interessenklub weniger bleibt, sollen die Gremien künftig »die verschiedenen politischen Strömungen« berücksichtigen. Das klingt bürokratisch und wird allein nicht ausreichen, um mit der partei- und politischen Einseitigkeit Schluss zu machen - und mit jenem noch weit schlimmeren Trend zum flachen Erbauungsfernsehen, das mit seinem Unterhaltungsimperativ jede Frage nach politischer Programmgestaltung praktisch ohnehin verhöhnt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll die in der Gesellschaft vertretenen Meinungen »facettenreich widerspiegeln«, meint Karlsruhe. Richtig so. Für eine andere, neue Fernsehwirklichkeit, braucht es allerdings mehr als Gerichtsentscheidungen zur Gremienzusammensetzung. Zum Beispiel mündige Zuschauer, die tatsächlich etwas zu sagen haben. Diese Herausforderung wird man nicht Karlsruhe überlassen können.

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