neues deutschland: Panzer statt Bibeln - Kommentar zur religiöse Verfolgung

Berlin (ots) - Die Ausgrenzung beginnt mit der Weihnachtsgeschichte. »Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade«, heißt es in der deutschen Einheitsübersetzung der Bibel. Der Passus »bei den Menschen seiner Gnade« konterkariert die angebliche Universalität der christlichen Botschaft von der göttlichen Gerechtigkeit. Allem Gerede vom Frieden, der den Kern aller Religionen bilde, zum Trotz ist dieser Kern nach wie vor - namentlich bei den monotheistischen Bekenntnissen - die Fixierung auf ein ganz spezielles Gottesbild. Dies wird auch künftig so sein. Indes: Menschen, die sich ihrem Gott verpflichtet sehen und dies in Ritual und Lebensweise ausdrücken, sollten wohl im 21. Jahrhundert ebenso wenig ein Problem darstellen wie andere Formen individuell oder kollektiv geprägter Kultur. Dass dem nicht so ist, zeigen Berichte über regelrechte Christenverfolgungen: Überfälle auf Kirchen in Kenia, Massaker in Nigeria, Gewalt in Nahost, Unterdrückung in Nordkorea und China.

Sicher, bei vielen Übergriffen geht es nicht nur um konfessionell motivierte Kollisionen, sondern um politische Projektionen in das religiöse Spektrum. Auch hierzulande und in anderen Ländern des »aufgeklärten« Westens mit Blick auf den Islam. Dennoch ist eine Zunahme systematischer Verfolgung von Christen traurige Tatsache. Es gibt Staaten, in deren Machtbereich auf Einfuhr von Bibeln schlimmste Strafen stehen. Wie in Saudi-Arabien. Darum liefert Berlin dorthin lieber Panzer.

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