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NRZ: Nur Verhandlungen bringen Frieden - ein Kommentar von JAN JESSEN

Essen (ots) - Aleppo stirbt vor den Augen der Weltöffentlichkeit, langsam und qualvoll. Das Schicksal der Stadt und ihrer Menschen steht sinnbildlich für den Bürgerkrieg in Syrien, in dem es noch nie einfach war, zwischen Gut und Böse einen Trennstrich zu ziehen. Jene, die derzeit den eingekesselten Menschen im Osten der umkämpften Stadt Hoffnung geben, sind größtenteils radikale Milizen mit einer islamistischen Agenda, auf der Seite des Regimes kämpfen säkulare Kurden, die mit dem Westen verbündet sind und für ihre militärischen Erfolge gegen den sogenannten "Islamischen Staat" gefeiert werden. Wer auch immer sich in der Schlacht um Aleppo durchsetzen wird: Der Ausgang dieses Ringens wird nicht das Ende des Bürgerkrieges bedeuten. Er wird erst dann enden, wenn all jene Länder, die in Syrien ihren Stellvertreterkrieg ausfechten, ihre Unterstützung für die Kriegsparteien aufgeben und konstruktiv an diplomatischen Lösungen arbeiten. Die Golfstaaten, der Iran, die Türkei, Russland, Europa, die USA, das sind die Spieler, auf die es ankommt; nicht das Assad-Regime, nicht die Aufständischen, nicht die Kurden. Der Westen hat es verpasst, sich in Syrien rechtzeitig und energisch zu engagieren. Jetzt muss er sich mit der Erkenntnis arrangieren, dass das Regime in Damaskus überleben wird, solange jedenfalls, bis Russen und Iraner den Daumen senken. Der Westen verhandelt jetzt aus einer Position der Schwäche heraus und wird Zugeständnisse machen müssen. Bitter. Aber nicht annähernd so bitter wie das Schicksal der Menschen in Aleppo.

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