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NRZ: Ein starkes Signal - ein Kommentar von JAN JESSEN

Essen (ots) - Nein, natürlich war es keine mutige Entscheidung der Abgeordneten im deutschen Bundestag, nahezu geschlossen für die Armenien-Resolution zu stimmen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist derzeit in der deutschen Bevölkerung ähnlich beliebt wie der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un, jeder Entscheidung, die als Kritik an ihm oder der türkischen Regierung verstanden werden kann, ist breiter Beifall gewiss - oft befeuert von der anschwellenden Islamophobie im Land. Falsch ist der Beschluss dennoch nicht, im Gegegenteil. Vor allem deshalb, weil in der Resolution auch das Bekenntnis zur deutschen Verantwortung am Völkermord an den Armeniern, Aramäern und Chaldäern breiten Raum einnimmt. Um im Heute Verantwortung tragen zu können, ist es wichtig, die Geschehnisse im Gestern beim Namen zu nennen und sie nicht aus dem kollektiven Gedächtnis zu verdrängen. Das Eingeständnis, dass die Gründung ihrer Nation von einem Menschheitsverbrechen überschattet wurde, mag vielen Türken schwer fallen. Die Aufarbeitung der Geschichte ist aber die wichtigste Voraussetzung für Versöhnung und die Gestaltung gesellschaftlichen Zusammenlebens im Hier und Jetzt. Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei wird nach der Verabschiedung der Resolution für lange Zeit nicht mehr so sein wie zuvor. Jetzt herrscht Krisenmodus. Dass Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel nicht im Bundestag waren, wird vielerorts als peinlich und feige bezeichnet. Tatsächlich war es aber klug. Die deutsch-türkischen Beziehungen sind zu wichtig, als dass sie über Gebühr belastet werden sollten. Das Signal, das der Bundestag gesendet hat, war so schon stark genug.

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