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NRZ: Der falsche neue Tonfall - ein Kommentar von JAN JESSEN

Essen (ots) - Nachdem es kurz schien, als sei Deutschland zu einem ganz anderen Land geworden, als habe eine Welle von Solidarität und Menschenliebe die ganze Kantigkeit, die German Angst und die piefige, unterschwellige Fremdenfeindlichkeit weich-, ja weggespült, schlägt das Pendel jetzt wieder zur anderen Seite aus. Politik und Boulevard übernehmen zunehmend den harten, kalten Sound der "besorgten Bürger", bis hin zu den absurden Gedankenspielen eines bayerischen Finanzministers, der das Grundrecht auf Asyl generell in Frage stellt. Dieser neue Tonfall ist genauso schrill und falsch, wie die rauschhafte Willkommens-Euphorie der vergangenen Wochen teils übertrieben war. Deutschland ist und bleibt in der Lage, der steigenden Flüchtlingszahlen Herr zu werden, es ist nur die Frage, ob der Wille dazu ausreicht. Es ist ja richtig, Ängste und Probleme zu benennen, nur sollte das nicht hyperventilierend geschehen. Es braucht ein vernünftiges Krisenmanagement. Wer plump Ressentiments bedient wie jüngst ausgerechnet der Bundesinnenminister, schwächt die Willenskraft. Das ist fatal angesichts der Herausforderungen. Die Hunderttausenden Neuankömmlinge müssen in den kommenden Jahren integriert werden, und das ist eine Herkulesaufgabe, die alle fordern wird, Einheimische und Flüchtlinge gleichermaßen. Die Debatte braucht Ehrlichkeit, aber auch Nüchternheit. "Lassen Sie aus Kontroversen keine Feindschaften entstehen", hat der Bundespräsident am Wochenende gesagt. Er hat recht: Die neue deutsche Willkommenskultur ist zu schön, um nur als Sommermärchen in die Geschichte einzugehen.

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