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NRZ: Ein König ist gestürzt - ein Kommentar von ARTUR VOM STEIN

Essen (ots) - Wer sofort zugibt, viel mehr Geld hinterzogen zu haben, als dem Gericht bekannt ist, gibt zugleich zu, dass die Selbstanzeige ein entscheidendes Kriterium eben nicht erfüllt: die Vollständigkeit. Ob Uli Hoeneß das klar war? Wusste er, dass er schon mit dem Prozessauftakt den Sinn seiner Selbstanzeige torpediert?

Tatsächlich war es nicht nur dieser Paukenschlag, der viele Beobachter ratlos macht, weil überhaupt keine Strategie, keine Verteidigungslinie im Münchner Landgericht zu erkennen ist. Was ist davon zu halten, dass ein Anwalt seinem Mandaten in der Verhandlung über den Mund fährt und ihn zu einer anderen Wahrheit ermahnt? Wie kann es sein, dass durch einen USB-Speicherstick auffällt, dass Daten beinahe ein ganzes Jahr zurückgehalten werden? Wie ist es möglich, dass die Steuerschuld stündlich wächst?

Vorgestern 18 Millionen Euro, gestern zunächst 23 Millionen, dann 26 Millionen - welcher Normalbürger soll diese Summen noch nachvollziehen können? Es geht drunter und drüber, und es tut beinahe weh zu sehen, wie wenig vom tadellosen Ruf dieses Mannes, der gerade noch eine moralische Instanz war, in den vergangenen Stunden noch übrig geblieben ist. Wie lange ist es her, als in Talkshows öffentlich gefragt wurde, ob wir in Deutschland mehr Hoeneß brauchen?

Hoeneß war alles. Deutscher Meister, Pokalsieger, Europameister, Weltmeister, er war der jüngst Fußballmanager in der Bundesliga, er baute eine millionenschwere Wurstfabrik auf, er formte den FC Bayern zu einer Weltmarke, und er überlebte sogar einen Flugzeugabsturz. Ein König des Lebens, unantastbar, hofiert von Politikern und Topmanagern. Und jetzt? Ein exzessiver Zocker, ein Steuerhinterzieher, der es längst verpasst hat, beim FC Bayern zurückzutreten. Sein Ansehen ist zerstört.

Und was fällt dem Aufsichtsrat des FC Bayern zu dieser Geschichte ein? Man will das Urteil des Gerichts abwarten, betonen die Herren von Adidas, Audi, VW oder der Telekom, die ihre eigenen Unternehmensregeln (Stichtwort: Compliance) verballhornen, statt Schaden vom Münchner Klub fernzuhalten. Das Runde muss ins Eckige, witzeln die Kabarettisten. Und ganz gleich, ob Uli Hoeneß bald hinter Gitter geht oder noch irgendwie davonkommen wird, es wird lange dauern, bis man wieder die positiven Seiten dieses Menschen erkennen will. Aktuell dient sein Name vor allem als mahnendes Lehrstück dafür, wie man nicht werden sollte.

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