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NRZ: Es geht um Gerechtigkeit - Kommentar von Rüdiger Oppers

Essen (ots)

Am Sonntag geht es in Duisburg nicht allein um die Person Adolf Sauerland. Erst recht nicht um CDU oder SPD. Diese Wahl ist keine politische, sondern eine moralische. Es geht um die Aufarbeitung des Skandals der Loveparade. Es geht darum, dass den Angehörigen und dem Andenken von 21 Toten Gerechtigkeit widerfährt. Die Entscheidung über Adolf Sauerland ist historisch. Erstmals in der Geschichte NRWs hat es ein Oberbürgermeister geschafft, seine Bevölkerung derart gegen sich aufzubringen, dass zigtausend Menschen ein formelles Abwahlverfahren in Gang setzen konnten. Herr Sauerland sieht sich selbst als Opfer, spricht voller Selbstmitleid von einer "sozialistischen Kampagne" und einer "Hetzjagd" der Presse. Damit stellt er erneut unter Beweis, wie sehr er den Kontakt zur Wirklichkeit verloren hat. Er hört nicht den zornigen Protest, versteht keine Kritik, fühlt nicht die verletzte Seele seiner Stadt. Zur Erinnerung: Opfer waren die Menschen, die im sommerlich schönen Duisburg fröhlich feiern wollten und dann sterben mussten oder schwer verletzt wurden, weil die Stadt zu einer schlampig vorbereiteten Massenparty eingeladen hatte. In der Stunde dieser Katastrophe hatte Sauerland völlig versagt, als er den Todesopfern selbst die Schuld an ihrem Schicksal zusprach. Die Loveparade war eine Todesfalle, die niemals hätte genehmigt werden dürfen. Der Oberbürgermeister hätte für die vielen Schuldigen die moralische Verantwortung übernehmen und zurücktreten müssen. Damit hätte er Anstand bewiesen, eine Tugend, die gerade in Duisburg hoch geschätzt wird. Doch in der Zeit der schlimmsten emotionalen Erschütterung zeigte er Feigheit. Außer hilflosem Schweigen oder peinlichen Floskeln hatte Sauerland nichts zustande gebracht. Nein, man musste sich für seine Auftritte schämen, zum Teil bis zum heutigen Tag. Statt zu trösten und die Wunden im Lebensgefühl der Stadt zu heilen, verstrickte er sich in Widersprüchen, versuchte seine Hände in Unschuld zu waschen. Irgendwann, so hofften viele, muss das Fass doch überlaufen und der Oberbürgermeister abtreten. Stattdessen wurde Sauerland zur tragischen Symbolfigur für den gewissenlosen Sesselkleber. Nun haben die Duisburger das Wort. Die Hürde für die Abwahl ist sehr hoch.Aber schon der Massenprotest macht klar: Adolf Sauerland führt seine Stadt nicht, er spaltet sie.

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