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Westfalenpost: Martin Korte zur Qualität von Paketdiensten: Schnell und billig - wir wollen es doch so

Hagen (ots) - Auf dem Weg zur Arbeit stehe ich jeden Morgen an einer Kreuzung, die auch von den Fahrern des in der Nähe liegenden Paketdienstes genutzt wird. Viele telefonieren am Steuer, andere frühstücken, einige schaffen beides. Gleichzeitig. Dunkelgelbe Ampeln gelten ihnen als lockerer Orientierungshinweis, nicht aber als Stoppsignal. Und wenn ihre Autos schneller wären, würden sie sich noch weniger an das Tempolimit halten. Ach ja: Sie parken, wo sie wollen. Hauptsache in der zweiten Reihe. Dann denke ich: Wer so fährt, der schludert auch bei der Paketauslieferung. Zugegeben: Das ist eine sehr pauschale Beurteilung, und sie ist den vielen Menschen gegenüber ungerecht, die ihre Aufgabe verantwortungsvoll ausführen. Aber sie verdeutlicht, dass der nicht besonders üppig bezahlte Job des Paketfahrers extrem stressig ist und Gelassenheit sowie guter Service zunehmend dem Kosten- und Konkurrenzdruck zum Opfer fallen. Wir sind daran nicht unschuldig. Wir wollen die Lieferungen möglichst schnell und möglichst günstig, sind aber sauer, wenn der Fahrer ausgerechnet dann schellt, wenn wir mal nicht da sind. Paketdienste sind den Kunden gegenüber verpflichtet, Waren zuverlässig und sicher auszuliefern. Aber sie tragen auch eine Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Viele Anbieter umgehen Vorschriften, weil sie Fahrer als Subunternehmer einstellen und so den Lohn drücken. Und sie halsen ihnen zu viele Aufträge auf. Schnell und billig oder verantwortungsvoll und etwas langsamer? Die Entscheidung liegt beim Gesetzgeber. Er muss das Regelwerk nicht nur schaffen, sondern auch überprüfen und durchsetzen. Auf die Einsicht der Anbieter und eine höhere Zahlungsbereitschaft der Verbraucher zu hoffen, ist naiv.

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