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Westfalenpost: Nina Grunsky zu Schützen und Finanzämtern

Hagen (ots) - Erst die Schießstandrichtlinie, die den Schützenvogel zum Spatzen machen sollte. Dann der nächste Schuss vor den Bug: Weil die Bruderschaften darüber stritten, ob Muslime Könige werden durften, wollte die Unesco das Schützenwesen zunächst nicht auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes nehmen. Einen echten Bock geschossen haben aber nun die Finanzämter: Sie wollen den Schützen ihre Gemeinnützigkeit aberkennen, wenn diese keine Frauen zulassen. Dabei ist das Schützenwesen doch viel mehr als Vogelschießen. Das Engagement der Vereine hält Dörfer und Gemeinden zusammen und geht weit über die der Gemeinschaft förderlichen Schützenfeste hinaus. Im Übrigen ist kaum auszudenken, welche Forderungen noch ins Kraut schießen, wenn sich die Behörden mit dieser Interpretation durchsetzten. Welche sozial engagierten Vereine müssten dann womöglich noch auf ihren Status der Gemeinnützigkeit verzichten? Die Drohung der Finanzämter straft alle Sonntagsreden der Landesregierung Lügen, die ehrenamtliches Engagement von Bürgern und den Wert der Vereine für die Gesellschaft stets in den höchsten Tönen loben. Um die leere Staatskassen zu füllen, scheint man offenbar vor nichts zurückzuschrecken. Dabei haben Vereine ohnehin schon Schwierigkeiten genug, Mitglieder zu finden und Vorstandsposten zu besetzen. Auf der anderen Seite müssen sich die Schützen aber durchaus auch die Frage gefallen lassen, was eigentlich heutzutage noch gegen Frauen in ihren Reihen spricht. Zumal in Zeiten, in denen es immer schwerer fällt, Nachwuchs zu gewinnen, der auch bereit ist, die teure Königswürde zu übernehmen.

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