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Westfalenpost: Videoüberwachung allein reicht nicht
Kommentar von Lorenz Redicker Zum Bahnkonzept

Hagen (ots) - So ehrlich ist die Bahn: Ein Allheilmittel ist die Videoüberwachung nicht, räumt das Unternehmen ein. Kameras halten Betrunkene nicht von einer Gewalttat ab, Selbstmordattentäter schon gar nicht. Sie können allenfalls den Ermittlern bei der Aufklärung helfen. Wie vor zwei Jahren nach dem Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof. Damals half indes nicht eine Kamera von Bahn oder Bundespolizei, es war das Gerät eines Burger-Bräters. Neben der leichteren Ermittlung eines Täters gibt es zwei Argumente, die von den Befürwortern der Überwachung aufgeführt werden: Sie soll mögliche Gewalttäter abschrecken und die gefühlte Sicherheit der Reisenden erhöhen. Für das erste Argument, so plausibel es klingen mag, gibt es bislang keinerlei Beweise. Auch nicht aus London, wo praktisch jeder öffentliche Ort per Kamera überwacht wird. Die Kriminalität dort geht leicht zurück - genauso wie im noch wenig überwachten Deutschland. Und das liegt sehr wahrscheinlich an der Demografie: Alte sind einfach weniger kriminell. Gegen Argument Nummer 2, die gefühlte Sicherheit, lassen sich weniger Argumente aufführen. Gefühle lassen sich schließlich nicht allein von Fakten leiten. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Videoüberwachung als Ausrede missbraucht wird - als Ausrede dafür, beim Personal zu sparen. Genau dazu darf es nicht kommen. Mehr Kameras allein führen nicht zu mehr Sicherheit, mehr Kameras und mehr Personal schon. Das muss nicht heißen, dass die Bundespolizei demnächst regelmäßig auf den Bahnhöfen in Siedlinghausen oder Heggen Streife läuft. Oft reicht ja schon die Wiederbelebung eines alten Bahngebäudes (sofern noch vorhanden). Zur Not hilft auch der Schaffner im Zug.

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