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Westfalenpost: Retourkutsche Glos: Rücktrittsangebot als Minister

    Hagen (ots) - Von Jörg Bartmann

    Amtsmüde und verlassen, ausgelaugt und angegriffen, hintergangen und überfordert. Unter diesen Umständen ist das Rücktrittsangebot von Michael Glos verständlich. Der Mann will nicht mehr einem Ministerium vorstehen, das er nie geliebt hat. 2005 wurde er in die Große Koalition eingebunden, weil Stoiber die Flucht von Berlin nach Bayern antrat. Der Müllermeister war mit dem Apparat schlicht überfordert. Als einflussreicher Vorsitzender der CSU-Landesgruppe fühlte sich Glos wohl, als Minister begann der schleichende politische Niedergang. Sein Rücktrittsgesuch wirkt in der Rezession wie eine Flucht, wie ein Eingeständnis des Versagens. Gleichwohl gibt es persönliche Gründe. Kanzlerin Merkel hat ihn eher links liegen gelassen und CSU-Parteichef Seehofer machte aus seiner Abneigung nie einen Hehl. Die Nachfolgediskussion hat Seehofer eher forciert, denn gestoppt. CSU-Schatzmeister Bauer hat das Signal gern aufgenommen und sich selbst empfohlen. Das war zu viel. Mit seinem öffentlich gemachten Brief hat Glos Parteichef Seehofer unter Zugzwang gesetzt. Eine politische Retourkutsche, die das gerade mühsam aufgestellte Machtgefüge der CSU beeinträchtigt. Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl kann sich Seehofer einen Nachfolgeflop im Wirtschaftsministerium nicht leisten. Deshalb die prompte Ablehnung des angebotenen Rücktritts. Für wie lange, ist offen. Das Vorpreschen von Glos ist insgesamt für die Union unangenehm, es ist ein Dilemma. Bleibt Glos bis zur Wahl im Amt, wird er von der Opposition als "lahme Ente" getrieben. Wird ein Übergangskandidat benannt, haftet der Union der Makel an, keinen geeigneten Minister für ein wichtiges Ministerium zu haben. Das zerrüttete Verhältnis zwischen Seehofer und Glos hat zweifelsfrei zahlreiche Verlierer erkennen lassen: Bundeskanzlerin Angela Merkel, sieht sich bedrängt, weil es an der inneren Einigkeit der Regierung fehlt, die aktuelle Wirtschaftskrise durch Personalgerangel überschattet wird; Horst Seehofer, weil er sich gern brüstet, aus München die Berliner Bühne zu hinterfragen und nun selbst auf dem falschen Fuß erwischt wurde; Michael Glos, weil er als Minister mit Verfallsdatum es verpasst hat, mit Würde aus dem Amt zu scheiden. Wenn schon Rücktritt, dann sofort - hier und heute.

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