Neue Osnabrücker Zeitung

NOZ: Gespräch mit Jürgen Falter, Parteienforscher

Osnabrück (ots) - Parteienforscher Falter: Ramelow schafft es höchstwahrscheinlich

Politikwissenschaftler sieht gute Chancen für einen linken Ministerpräsidenten in Thüringen - Probelauf für den Bund: "Die Linke wird allmählich salonfähig"

Osnabrück.- Parteienforscher Jürgen Falter räumt dem Linken-Politiker Bodo Ramelow gute Chancen ein, die Wahl zum Ministerpräsidenten in Thüringen an diesem Freitag zu gewinnen. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag) sagte Falter: "Höchstwahrscheinlich schafft es Ramelow und wird der erste linke Ministerpräsident in Deutschland." Für mögliche Abweichler böte die Wahl wenig Chancen, erklärte Falter: "Es gibt Zweifler, das ist bekannt. Allerdings wurde die Wahl im Vorfeld durch Befragungen der Parteimitglieder und durch die Einigung auf den Koalitionsvertrag so inszeniert, dass es für Abweichler außerordentlich schwierig wird." Vielleicht nutzten diese den ersten Wahlgang für einen "Schuss vor den Bug", doch im zweiten oder dritten Wahlgang werde es vermutlich gelingen, die Reihen zu schließen, prognostiziert der Parteienforscher.

Wie schon die schwarz-grüne Koalition in Hessen sei auch die rot-rot-grüne in Thüringen ein Probelauf für den Bund. "Die Linke wird allmählich salonfähig", so Falter. Die SPD habe überdies nach der letzten Bundestagswahl gesagt, sie wolle 2017 offen sein für alle Optionen, erläuterte der Experte. Der Linke Bodo Ramelow sei überdies ein Politiker mit Potenzial, schätzt der Politikwissenschaftler ein. "Er ist unbelastet von irgendwelchen Stasi-Verstrickungen, das hilft natürlich. Sofern er sein Temperament zügelt und sich zusammenreißt, könnte er das wirklich hinkriegen", glaubt Falter, Professor am Institut für Politikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

In Thüringen steht an diesem Freitag die Wahl des Ministerpräsidenten an. Zusammen mit der SPD und den Grünen kommt die Linke im neugewählten Landtag mit 46 Stimmen auf eine knappe Mehrheit von nur einer Stimme. Die drei Parteien haben sich zuvor bereits auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Würde Ramelow gewählt, wäre er der 58-Jährige der erste Ministerpräsident der Linken. Sollte Ramelow in den ersten beiden Wahlgängen scheitern, könnte die CDU, die zusammen mit der AfD auf 45 Stimmen kommt, den Parteilosen Klaus Dicke ins Rennen schicken - als Alternative für eventuelle Abweichler aus dem rot-rot-grünen Lager, hieß es im Vorfeld.

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