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Neue OZ: Kommentar zur Ukraine

Osnabrück (ots) - Krieg wäre Irrsinn

Der ehemalige KGB-Offizier Wladimir Putin zeigt, dass er das Repertoire des Kalten Kriegers noch meisterhaft beherrscht: Drohgebärden, Hilferufe vorgeblich unterdrückter Brüder, Unterwanderung, Unschuldsbekundungen, öffentliche Diskreditierung des Gegners. Und ob wahr oder nicht, die Geschichte von den Maidan-Todesschützen aus den Reihen der Revolutionäre hätte in Putins Propaganda-Inszenierung zu kaum einem besseren Zeitpunkt kommen können. Nagende Zweifel an der neuen, vom Westen unterstützten ukrainischen Regierung helfen, die Meinungen auf der Krim vor der geplanten Volksabstimmung vollends Russland zuzuneigen. Ein Anschluss dürfte vielen Menschen auf der Halbinsel nun noch sympathischer werden als ein erweiterter Autonomie-Status, den ihnen die Ukraine anbieten könnte. Das Szenario einer Abspaltung gewinnt immer schärfere Konturen. Von Tag zu Tag ferner rückt das Ziel Kiews und des Westens, die Krim als Teil der Ukraine zu erhalten. Auch die USA kennen die alten Muster des Kalten Krieges noch: Sie verhängen Sanktionen, sie verlegen Kriegsschiffe und Kampflugzeuge in die Nähe russischer Grenzen. Vorsicht! Ähnlich wie 2008 Georgien könnte sich Kiew von solchen Gesten und von europäischen Solidaritätsbekundungen ermutigt fühlen, tatsächlich militärisch vorzugehen. Ein Krieg um die Krim aber wäre Irrsinn.

Christian Schaudwet

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