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Neue OZ: Kommentar zu Prozesse
Affären
Wulff

Osnabrück (ots) - Nichts gelernt

Warum trat Christian Wulff zurück? Dass es so weit kam, daran war er nicht unschuldig. Aber im Grunde hatte der Präsident keine Chance. Dies lag nicht an seinen echten oder vermeintlichen Verfehlungen. Denn: Linksorientierte Kreise lehnten ihn schon wegen seines parteipolitischen Profils ab. Im bürgerlichen Milieu hätten viele von Beginn an Joachim Gauck für das Amt bevorzugt. Andere blieben nicht unbeeindruckt vom medialen Trommelfeuer und wandten sich ab. Weitere nahmen dem Niedersachsen seine tolerante Haltung gegenüber dem Islam übel, wieder andere den zunehmend lockeren Lebenswandel.

Was Wulff fehlte, war somit weniger das Gespür für den richtigen Umgang mit der Krise. Es war vielmehr die gesellschaftliche Rückendeckung, und dies in einer Zeit, in der die Stimmung zwar nicht erstmals, wohl aber in selten gesehener Wucht durch Häme und Hass im Internet beeinflusst wurde. So genügten Lappalien, um ihn zu Fall zu bringen.

Hat die Gesellschaft seither dazugelernt? Wohl nicht. Im Fall Edathy werden Grundsätze von Rechtsstaat und Anstand ebenso verletzt. Dabei machen sie nur Sinn, wenn sie immer und unabhängig von Person und Vorwurf bestehen. Der Blick für die menschlichen Folgen solcher Vorgänge, die ein Leben zerstören können, scheint nicht geschärft zu sein, das Mitgefühl schon gar nicht. Dabei sollte dies so sein, ganz unabhängig von Wulff, ganz unabhängig vom Urteil in Hannover.

Burkhard Ewert

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