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Neue OZ: Kommentar zu Geheimdienste
USA
Deutschland

Osnabrück (ots) - Mangel an Respekt

Wen wundert's noch? Neben Angela Merkel haben amerikanische Geheimdienste auch Telefonate ihres Vorgängers Gerhard Schröder abgehört. Diese Erkenntnis ist alles andere als eine Überraschung. Denn wenn schon die USA-freundliche Merkel ausgespäht worden ist, dann war dies bei Schröder sowieso zu erwarten. Schließlich ist er ein erklärter Gegner des amerikanischen Angriffs auf den Irak gewesen.

Absurd war der Lauschangriff gleichwohl. Denn Schröder hat seine Position im Wahlkampf 2002 auf jedem Marktplatz der Republik kundgetan. Alle wussten, was er denkt und plant.

Dass die Amerikaner ihn trotzdem auf die Liste der Lauschopfer setzten, gleicht einer Strafaktion gegen unbotmäßige Partner. Wer nicht spurt, der bekommt es mit dem großen Bruder zu tun. Und Punkt.

Dies ist umso enttäuschender, als das Kanzleramt kein Ort terroristischer Verschwörungen ist und die Bundesregierung im Gegenteil die deutsch-amerikanischen Beziehungen stets gehegt und gepflegt hat. In Afghanistan zogen die Deutschen sogar gemeinsam mit den Amerikanern in den Krieg.

Dass die US-Regierungen sie dennoch mit Abhörmaßnahmen überziehen, ist auch mit den Morden vom 11. September 2001 nicht zu erklären. Es zeugt vielmehr von arroganter Selbstüberhöhung und mangelndem Respekt. Es wird Zeit, dass ein Untersuchungsausschuss des Bundestages die Abgründe an Misstrauen gründlich ausleuchtet.

Uwe Westdörp

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