Neue OZ: Kommentar zu Verbraucher/Lebensmittel/Eier

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Osnabrück (ots) - Der schöne Schein

Kaum haben sich die Menschen an den Gedanken gewöhnt, dass nicht immer Rind drin ist, wo Rind draufsteht, kommt der nächste Skandal, auf den man gerne verzichtet hätte: Millionen Bio-Eier, die ihren Namen nicht verdienen, und frei laufende Hühner, die aus Platzmangel mehr stehen als laufen. Zu verantworten haben dies mutmaßlich die Halter: mehr Hühner, mehr Eier, mehr Geld, ein einleuchtendes Motiv.

Leider wäre es übertrieben zu sagen, dass der Schock tief sitzt. Die Welt der Lebensmittelproduktion ist immer auch eine Welt des schönen Scheins. Das dürften die Menschen nach zahlreichen Skandalen inzwischen begriffen haben. Tatsächlich ist es aber leichter, die Existenz von Pferdefleisch in zur Unkenntlichkeit zerhacktem Füllmaterial für Fertiggerichte nachzuvollziehen als den Betrug mit Bio-Eiern. Bio-Kunden möchten mit ihrem Kaufverhalten meist auch positiven Einfluss auf die Herstellungsweise von Lebensmitteln nehmen. Sollte es aber nun tatsächlich so leicht sein, Richtlinien für Bio-Eier zu umgehen, entsteht ein Gefühl der Machtlosigkeit.

150 Hühnerhalter in Niedersachsen, in der Mehrzahl konventionelle Freilandbetriebe, werden derzeit unter die Lupe genommen. Sollte sich der Verdacht des systematischen Betrugs bestätigen, muss der neue Landwirtschaftsminister durchgreifen. Christian Meyer hat mit seiner Abneigung gegen Massentierhaltung Wahlkampf betrieben. Der Eier-Skandal ist also genau sein Thema.

Anne Diekhoff

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