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Neue OZ: Kommentar zu Bundespräsident
Köhler
Abschied

Osnabrück (ots) - Ein rätselhafter Abschied

Warum Horst Köhler ging, bleibt auch nach dem Großen Zapfenstreich ein Rätsel. Er hat ein Zeichen setzen wollen gegen den oft zynischen Politbetrieb, sagen die einen. Er hat das Amt des Bundespräsidenten hingeworfen, weil er Kritik austeilen, aber nicht aushalten konnte, rügen die anderen. Die Gefühlswallungen nach dem Blitz-Rücktritt verebben - und legen den Blick frei auf einen Menschen, der an seinem Amt offenkundig zu schwer zu tragen hatte. Harmonie gab es durchaus nicht immer zwischen Kanzlern und Präsidenten. Die Eifersüchteleien Helmut Kohls gegen den glanzvollen Redner Richard von Weizsäcker blieben nicht verborgen. Ebenso hat Deutschlands erster Kanzler Konrad Adenauer dazwischengefunkt, als Staatsoberhaupt Theodor Heuss Kabinettssitzungen leiten wollte.

Dem Präsidenten bleibt die Macht des Wortes. Daran hat der zupackende Ökonom Köhler gelitten. Heuss hat jede seiner Reden selbst geschrieben, Köhler war auf den Rat anderer angewiesen. Als dieser ausblieb oder nicht mehr durchdrang, musste er scheitern. Beim letzten Zapfenstreich gab die Kanzlerin Köhler die Ehre. Ihre Nichtbeachtung zuvor hat der 67-Jährige nur ertragen können, solange er starke Weggefährten um sich hatte. Dem Vernehmen nach war es zuletzt der Tod seines engsten Vertrauten Gert Haller, der Köhler gänzlich einsam machte. Wirklich verstehen wird man den Abschied Horst Köhlers nicht. In der Politik war er ungeliebt, auch dafür mochte ihn das Volk.

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