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Neue OZ: Kommentar zu Affären
Missbrauch
Runder Tisch

Osnabrück (ots) - Öffentlicher Druck

Die meisten der jetzt öffentlich gewordenen Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen und Schulinternaten sind juristisch verjährt, doch moralische Schuld und Verantwortung kennen kein Verfallsdatum. Deshalb ist es wichtig, dass der Runde Tisch schnelle Erfolge erzielt. Konkret heißt das: lückenlose Aufarbeitung der Vergangenheit, finanzielle Entschädigung der Opfer und effektive Prävention, damit Schutzbefohlene Schutzbefohlene bleiben - und keine Opfer von Kinderschändern und Gewalttätern werden.

Die katholische Kirche ist hier besonders gefordert. Richtig ist zwar, dass der Großteil der Fälle von Kindesmissbrauch im Familienkreis, in Sportvereinen oder Kindertagesstätten geschieht. Doch die Kirche muss vorbildlich handeln, will sie als große moralische Instanz anerkannt bleiben. Viele Gläubige sind schließlich nicht nur entsetzt über die Missbrauchsskandale. Sie sind auch über das Schweigekartell in einigen kirchlichen Einrichtungen tief enttäuscht, das Täter schützte, Opfer bestrafte und offensichtlich erst jetzt durch den öffentlichen Druck zusammenbricht.

Das Trio der Ministerinnen Schröder, Schavan und Leutheusser-Schnarrenberger hat ein ambitioniertes Programm gegen Kindesmissbrauch angekündigt. Die Opfer verlangen zu Recht zügig Taten. Fatal wäre es, wenn vom Runden Tisch am Ende nur der Eindruck bliebe: viel geredet, wenig erreicht.

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