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Neue OZ: Kommentar zu Theater
Tanz
Bausch

    Osnabrück (ots) - Sie hat uns alle bewegt

    Deutschland sucht sie unablässig - seine Stars. Dabei gab es bei Pina Bausch seit vielen Jahren schon nicht mehr den leisesten Zweifel: Sie war ein Star, viel mehr noch, eine ihre Epoche bestimmende, weil bewegende und herausfordernde Figur. Pina Bausch zeigte, mit welch bezwingender Kraft der Tanz zur Menschheitssprache gemacht werden kann. Sie avancierte damit bereits zu Lebzeiten zu einer Lichtgestalt der Weltkultur. Vorbildliche Botschafterin der Kulturnation Deutschland war sie ohnehin.

    Während Kulturpolitiker Tanzcompagnien immer wieder wegsparten oder eilfertig zur Fusionsmasse degradierten, hat Pina Bausch den Tanz als Kunstform ganz neu definiert, weil radikal anders gedacht. Weg von der getanzten Erzählung, hin zu unablässig drängenden Bewegungsimpulsen - im bedingungslosen Vertrauen auf die Mittel des Tanzes als Kunstform bewies sich Pina Bausch als geniale Künstlerin. Sie beeinflusste den Tanz nicht bloß, sie hat ihn vollkommen verändert.

    Pina Bauschs Vorbild erinnert deshalb an einige Wahrheiten der Kunst und Kultur. Zum Beispiel daran, dass es immer die Provokationen von heute sind, die zu Klassikern von morgen werden. Oder daran, dass die Künste kein Beiwerk sind, sondern unverzichtbares Medium, in dem Menschen ihre großen Fragen dargestellt und manchmal beantwortet finden. Und schließlich hat die Wuppertaler Tanzchefin demonstriert, welch umstürzende Kraft in kleinen Gesten liegen kann. Pina Bausch setzte Fanale gegen glatte Routine. Ihre Kunst hat bewirkt, was im rasenden Stillstand einer alles Leben simulierenden Medienwelt ausgeschlossen scheint: Sie hat erschüttert. Jetzt bleiben wir genauso zurück: dankbar, tief bewegt.

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