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Neue OZ: Kommentar zu Geschichte
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    Osnabrück (ots) - Notwendig, aber nicht hinreichend

    Es war notwendig, ja überfällig, dass Papst Benedikt XVI. seine Solidarität mit den Juden versicherte und jede Leugnung des Holocaust verurteilte. Hinreichend ist dieser allgemeine Schritt jedoch nicht. Besser wäre eine direkte Distanzierung vom umstrittenen Traditionalisten-Bischof Richard Williamson selbst gewesen.

    Noch droht die Gefahr, dass der nun hochgradig vergiftete Dialog mit den Juden dauerhaft ruiniert wird - das Gespräch gestaltet sich aus historischen Gründen ohnehin mühsam genug. Bislang steht daher auch der für Mai geplante Israel-Besuch des Papstes unter einem unguten Vorzeichen. Nur wenn vom Vatikan klare Vorgaben an Williamson folgen, kann das zerschlagene Porzellan beiseitegefegt werden. Ein Bischof, der den Holocaust abstreitet, ist auch dann unerträglich, wenn der rechtsextreme Oberhirte von seinen Amtspflichten entbunden bleibt.

    Richtig und wichtig ist jedoch ebenfalls eine differenzierte Betrachtung: Es wäre falsch, alle Traditionalisten als antisemitisch einzustufen, sosehr man ihre Rückwärtsgewandtheit in theologischen Fragen auch ablehnen mag. Die Aufhebung der Exkommunikation und die Äußerungen Williamsons - diese beiden Vorgänge sind selbst dann zu trennen, wenn sie jeder für sich der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche Schaden zufügen.

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