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WAZ: Stoiber sieht Rückendeckung: Das marode System der Macht - Leitartikel von Lutz Heuken

Essen (ots)

Auch nach tagelangem Machtkampf in der CSU und nach
dringenden Appellen, endlich Einsicht zu zeigen, erweist sich Edmund 
Stoiber als völlig unbelehrbar. Er behauptet, er habe in Wildbad 
Kreuth die "absolute Rückendeckung für seine Politik erhalten". In 
welcher Welt lebt dieser Herr Stoiber, dass er so etwas kundtut? 
Glaubt er wirklich, was er sagt? Oder glaubt er, dass die Bürger 
glauben, was er sagt?
Es ist tragisch, dass Machtwechsel häufig so würdelos ablaufen. 
Wenige Spitzenpolitiker geben freiwillig und einsichtig ihr Amt ab, 
wenn die Zeit reif ist; fast niemand baut rechtzeitig 
Nachfolge-Kandidaten auf und sorgt so für einen geordneten Übergang. 
Verzweifelt und peinlich klammern sich Mächtige gleich welcher 
Couleur an ihr Amt und verspielen damit sogar ihren guten Ruf, den 
sie sich zuvor in Jahrzehnten erworben haben. Erinnert sei hier an 
den zähen Abgang des Kurt Biedenkopf (CDU) in Sachsen, der erst ging,
als ihn seine Gegner mit einer angeblichen Finanzaffäre aus dem Amt 
mobbten. Oder an die zuvor so populäre Heide Simonis (SPD), die auch 
nach drei Wahlgängen nicht einsehen wollte, dass ihre Zeit im Norden 
abgelaufen war. Die Liste ließe sich fortsetzen. Und durch Vorgänge 
aus der Wirtschaft ergänzen, wo Wachwechsel häufig ebenfalls unter 
unappetitlichen Umständen ablaufen.
Warum ist das so? Warum erinnert so manche Amtsübergabe in einem 
formal demokratischen System an die putschartigen Umstürze im 
früheren Ostblock? Ein Grund: Macht macht süchtig. Über Jahrzehnte 
kennt so mancher Politiker und Manager kaum etwas anderes als Arbeit,
Machtspiele und Intrigen. Ein Leben außerhalb dieser Koordinaten ist 
für viele unvorstellbar, selbst die eigene Familie wird fremd und 
dient nur noch als Kulisse einer angeblichen Normalität. Mit (fast) 
allen Mitteln klammern sich solche Menschen dann an ihr Amt: Gegner 
werden bespitzelt und denunziert; das Ende der Karriere wird zum 
schmutzigen Machtkampf. Ein anderer Grund: Die Mächtigen hüben und 
drüben umgeben sich nur noch mit Ja-Sagern, Claqueuren und 
Hofschranzen, die sich auf Gedeih und Verderb an das System ketten; 
die ihrem "Herrn" unterwürfig schmeicheln, ihm niemals widersprechen 
und ihn vor jeglicher Kritik von außen abschotten.
Doch es ist zu leicht, die Verantwortung allein auf "die da oben"
zu schieben. Es ist die Feigheit der Mitläufer, die solche Systeme 
trägt. In Bayern hätte niemand Leib und Leben riskiert, wenn er 
Stoiber kritisiert hätte. Allenfalls seine Karriere als Ja-Sager. 
Aber für so manchen ist das sein Leben.

Pressekontakt:

Rückfragen bitte an:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Thomas Kloß
Telefon: (0201) 804-8975
zentralredaktion@waz.de

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