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WAZ: Gepflegte Langeweile - Kommentar von Alexander Marinos zum US-Wahlkampf

Essen (ots) - Niemand möchte ein Langweiler sein. Schon gar nicht möchte man zu einer Gruppe von Langweilern gehören. Vor dem Hintergrund der politischen Auseinandersetzung im US-Wahlkampf allerdings können wir sogar stolz darauf sein, zu einer ganzen Nation von Langweilern zu gehören - zumindest im Hinblick auf die politischen Umgangsformen.

Wenn ein Horst Seehofer eine Angela Merkel auf einem CSU-Parteitag ein paar Minuten lang wie ein dummes Schulmädchen aussehen lässt, dann sind wir schon entsetzt ob dieser Flegelhaftigkeit unter politischen Freunden. Man stelle sich vor, Seehofer hätte Merkel bei der Gelegenheit auch noch als schwache und nutzlose Kanzlerin abgemeiert. Der bayerische Boden hätte sich geöffnet und Seehofer wäre augenblicklich von einem Strudel bundesweiter Empörung verschluckt worden. Ganz zu schweigen vom Umgang mit dem politischen Gegner! Sich über die gesundheitliche Verfassung eines Kandidaten lustig zu machen oder auf die (angeblichen) sexuellen Eskapaden des Ehepartners hinzuweisen - das würde in der gepflegten politischen Landschaft Deutschlands wie die Zündung einer Atombombe wirken und den Angreifer pulverisieren.

Die USA mögen uns in manchen Dingen voraus sein. Nicht selten setzen sie Trends. In diesem Fall wäre es gut, wenn wir uns die politische (Un-) Kultur der USA nicht zu eigen machten und das eine oder andere Tabu ein Tabu bliebe. Könnte man sich, verglichen mit Trump, in die langweiligen Merkels, Seehofers und Gabriels nicht geradezu verlieben? Naja. Zumindest schämen müssen wir uns für sie nicht.

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