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WAZ: Höchste Zeit für Afrika - Kommentar von Frank Preuß zu Merkels Reise

Essen (ots) - So etwas wie 2015 will man nicht noch einmal erleben, hat Angela Merkel mit Blick auf die Flüchtlingskrise unlängst gesagt. Zynismus ist ihr fremd, aber wenn die Kanzlerin nun plötzlich flötet, dass uns "die Geschicke Afrikas" viel mehr interessieren müssten, zuckt man: Hätte man sich nicht schon viel früher für die Geschicke Afrikas interessieren müssen? Ein Kontinent, dem Europa nicht nur zu Kolonialzeiten übel mitgespielt hat, sondern fortwährend seinen Wirtschaftswillen aufzwingt.

Hätte man nicht schon lange erkennen können, dass Entwicklungshilfe oft nur ein Trostpflaster ist und dass Afrika ein so großes Interesse an der Fluchtvermeidung gar nicht haben muss: Nicht nur, dass die ärmsten Länder die Ernährung ihrer Bewohner nicht sichern können - das Geld, das Ausgewanderte ihren Familien schicken, kurbelt die bescheidene Wirtschaft an.

In Afrika stehen Millionen zur Flucht bereit, wer will es ihnen verdenken? Mögen Merkels Motive zweifelhaft sein: Ihre Reise ist wichtig, und man muss wünschen, dass Europa sich ihre Bemühungen nicht nur ansieht, sondern unterstützt. Es wird teuer. Aber wer Afrika nicht endlich wirksam vor Ort hilft, der wird einen höheren Preis zahlen.

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