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WAZ: Sind erneute Kita-Streiks berechtigt?

Essen (ots) -

   Dieser Kampf muss sein
   - Pro von Lutz Heuken 

Wenn Erzieher und Sozialarbeiter erneut einen Streik ausrufen, ist das wenig populär. Viele Eltern kommen in Nöte, die öffentliche Meinung wird sich teils gegen die Streikenden richten.

Indes: Da müssen die Betroffenen jetzt durch. Was haben ihnen denn all die warmen Worte genutzt, mit denen sie zu Beginn der Tarifauseinandersetzung unterstützt wurden? Dass Erziehungsberufe endlich sozial aufgewertet und besser bezahlt werden müssten, das hörten sie überall. Im wahrsten Sinne des Wortes aber kosten solch warme Worte wenig.

Vollkommen zu Recht haben sich die Kita-Beschäftigten nicht damit abspeisen lassen. Sie wollen nicht Samariter sein, sondern bei allem sozialen Engagement auch als Arbeitnehmer ernst genommen werden. Und das geschieht in Deutschland nun mal auch durch einen vergleichenden Blick auf die Lohnstatistik.

Was andere Branchen längst kennen: Für seine berechtigten Forderungen muss man kämpfen. Notfalls auch mit harten Bandagen.

   Bitte an die Familien denken
   - Contra von Gerd Heidecke 

Vielen Familien, deren Kinder in die Kita gehen, dürfte zum Heulen zumute sein: In den quälend langen Streikwochen der Erzieher vor den Ferien die Urlaubstage aufgebraucht, die Geduld von Kollegen und Chef strapaziert, Großeltern bis zum Anschlag eingespannt, Freunde und Bekannte dienstverpflichtet - und jetzt drohen pünktlich zum Ferienende in NRW in Kindertagesstätten oder im offenen Ganztag vieler Schulen wieder verschlossene Türen. Wenn das kein Grund zum Heulen ist, was dann?

Die Erzieher, deren erster Streik trotz aller damit verbundenen Widrigkeiten mit viel elterlicher Sympathie begleitet worden ist, müssen aufpassen, dass es ihnen nicht so geht wie jüngst den Lokführern. Wer formal im Streik-Recht ist, kann sich dennoch aus Sicht der Betroffenen ins Unrecht setzen. Nämlich dann, wenn der Eindruck entsteht, der Streik diene als Machtprobe noch anderen Zwecken als einer überfälligen Verbesserung von Gehalt und Arbeitsbedingungen. Deshalb: erst weiter verhandeln.

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