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WAZ: Nur ein Kratzen an der Oberfläche. Kommentar von Stefan Schulte zur Jugendarbeitslosigkeit

Essen (ots) - Im Süden Europas wächst eine Generation heran, die verloren scheint. Viel zu viele junge Menschen sind in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland trotz guter Bildung und hoher Motivation zum Nichtstun verdammt, weil die Arbeitsmärkte in ihren kriselnden Ländern nichts zu bieten haben. Deshalb ist jede Initiative gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa natürlich höchst willkommen. Das gilt ebenso für das jüngste Engagement deutscher Unternehmen in Spanien als auch für das Bundesprogramm "Mobipro", mit dem Jugendlichen aus den Krisenländern eine Ausbildung in Deutschland ermöglicht wird. Auch die EU hat wohlklingende und im Kern sinnvolle Programme aufgelegt. Leider ist all diesen ehrbaren Initiativen eines gemein: Sie können nur an der Oberfläche dieses gigantischen Problems kratzen, zu seinen Wurzeln werden sie niemals vordringen. In Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit so niedrig, weil die Wirtschaft brummt. Nichts anderes kann auch in Südeuropa die junge Generation retten. Wo die wirtschaftliche Basis fehlt, wirkt jedes Hilfsprogramm hilflos. Für den ersehnten Aufschwung am Mittelmeer braucht es Reformen, gesunde Staatsfinanzen als Garanten für niedrige Zinsen, Banken in Kreditgeberlaune und Unternehmer, die wieder ins Risiko gehen. Eine anspringende Konjunktur hilft der jungen Generation mehr als tausend gut gemeinte Programme.

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