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WAZ: Degowski will man nicht begegnen - Kommentar von Frank Preuß

Essen (ots) - Dieter Degowski beim begleiteten Freigang? Die Vorstellung, dem kaltblütigen Mörder auf der Straße plötzlich zu begegnen, darf man unerträglich finden. Das Gladbecker Geiseldrama ist unauslöschlich in unser Gedächtnis eingebrannt, und man kann verstehen, dass sich viele wünschen dürften, Degowski möge das Gefängnis nie wieder verlassen.

Der Staat aber darf sich die Grausamkeit derer, über die er richtet, dennoch nicht zu eigen machen. Rache kann nicht Bestandteil einer humanen Rechtsprechung sein, die unseren Gesetzen zugrunde liegt. Die Verfassungsrichter haben grundsätzlich jedem Täter die Chance eingeräumt, nach entsprechender Prüfung, irgendwann die Freiheit wieder zu erlangen.

Degowski mag es zu schauriger Berühmtheit gebracht haben, aber deswegen ist er nicht anders zu behandeln als andere Mörder seiner Gewichtsklasse: Das Recht, auf die Freiheit vorbereitet zu werden, hat auch er. Das Urteil "Lebenslänglich" ist nicht gleichbedeutend mit ein Leben lang. Die Psychologen, die eines Tages zu entscheiden haben, ob Degowski wirklich reif ist für die Rückkehr in die Gesellschaft, sagen übrigens nicht automatisch "Ja".

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