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WAZ: Gerechtigkeit Ja, aber für alle - Kommentar von Thomas Wels

Essen (ots) - Über Gerechtigkeit im Steuersystem zu reden, ist nie verkehrt. Und natürlich ist es nicht gerecht, wenn der Staat Einnahmen in Form von Zinsen niedriger besteuert als das Gehalt. Die Einführung der pauschalen Abgeltungssteuer von 25 Prozent durch Finanzminister Steinbrück war staatliche Notwehr gegen die Steuerflucht in Millionärs-Oasen. Wenn's keine Oasen mehr gibt, entfällt auch der Grund für die pragmatisch erhobene Pauschalbesteuerung, die gerade Besserverdienende mit einem Spitzensteuersatz von 45 Prozent bevorteilt. Die Argumentation ist schlüssig.

Allerdings sollte man den Politikern, die mit der Fahne der Gerechtigkeit ins Feld gehen, nicht erlauben, eine viel größere Ungerechtigkeit unbearbeitet zu lassen: die heimlichen Steuererhöhungen, die der Staat klammheimlich bei jeder Lohnerhöhung dank anwachsender Steuertarife einsteckt. Der Fiskus muss endlich diesen automatischen Kassenfüller zulasten von niedrigen und mittleren Einkommen abschaffen. Das wäre richtig gerecht.

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