Westdeutsche Allgemeine Zeitung

WAZ: Putin, Schröder und die Deutschen. Kommentar von Ulrich Reitz

Essen (ots) - Man kann sich diese beiden wilden Kerle mühelos vorstellen, wie sie sich männerbündlerisch in die Arme nehmen; sich schenkelklopfend gegenseitig bestätigen, wie blöd die doch sind, die Weiber. Die Timoschenko, die doch ohnehin in den Knast gehört, und die Merkel, die es wieder mal nicht gebacken kriegt. Die verweichlichten, halbschwulen Europäer, die gar nicht begreifen, wie sie sich gerade winselnd den Amis und ihrer Kanonenbootpolitik ausliefern. Putin und Schröder, die letzten Machos in West und Ost. Und hoch die Tassen. Putin ist nicht nur ein Macht-, er ist auch ein Marketingprofi. Er weiß, welche Propaganda-Knöpfe er drücken muss und er drückt sie. Über Schröder braucht man sich nicht zu beschweren. Staatsmann in diplomatischer Mission oder einfach auch nur ein Mensch mit Mit- oder Feingefühl wollte er noch nie sein. Kaum war er seinen Kanzlerjob los, hatte er auch schon bei Putin angeheuert; weshalb sollte Schröder nicht mit dem Mann feiern, der ist schließlich sein Chef. Natürlich tritt er nicht nur Merkel, sondern auch seinem lange Zeit engsten Kumpel Steinmeier in die Knie, aber es stört ihn nicht, es freut ihn. Endlich mal wieder im Rampenlicht. Ist das alles gefährlich? Eher nicht. Bedenklich ist, dass ganz offenkundig für viele Menschen die westlichen Werte von Freiheit und Selbstbestimmung (auch von Staaten) nicht mehr die erste Rolle spielen. Nicht verwunderlich (NSA-Spionage), aber trotzdem bedenklich ist, dass offenbar viele Menschen den Westen nicht mehr gleichsetzen mit USA plus Europa. Diese Nachkriegs-Selbstverständlichkeit kommt uns allmählich abhanden, auch, weil unsere Freiheit als selbstverständlich wahrgenommen wird. Sie ist es aber nicht. Und bedenklich ist auch, dass unterschwellig viele Menschen Deutschland sehen als Wanderer zwischen den Welten, groß und inzwischen auch wieder selbstbewusst genug für einen eigenen Weg zwischen Ost und West. Putin sieht das und er nutzt es geschickt aus. Dass er bei uns offene Ohren findet, hat auch damit zu tun, dass hier vielen Menschen Europa ebenso wie die gesellschaftliche Moderne Schmerzen verursachen.

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