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WAZ: Genfutter nein - Billigfleisch ja. Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Verbraucher haben mehr Marktmacht als sie meinen - aber nur, wenn sie sich einig sind. Als Naturschützer die Öffentlichkeit mit abgeholztem Regenwald am Amazonas aufschreckten, der gigantischen Sojafeldern weichen musste, sahen sich Konzerne wie McDonald's zum Handeln genötigt - und setzten ein Moratorium durch. Am Boom der Eiweiß-Bombe änderte das nichts - Südamerika und die USA versorgen die Tiermäster dieser Welt mit Soja. Weil's einfacher und billiger ist, zunehmend jedoch mit genverändertem Saatgut. Seit diesem Jahr verfüttern auch die deutschen Geflügel-Riesen wie Wiesenhof nach 14 Jahren Verzicht wieder Gen-Soja. Dass die meisten Deutschen genveränderte Lebensmittel - auch im Futter - ablehnen, schreckt aber weder Züchter noch Handel noch Fastfood-Ketten ab. Warum? Erstens sind sich Europäer und Amerikaner anders als beim Regenwald nicht einig - in Übersee ist die Skepsis gegenüber der Gentechnik geringer. Zweitens sind sich die deutschen Verbraucher selbst nicht einig. Gen-Soja macht Futter und Fleisch billiger. Die Deutschen mögen zwar kein Gen-Futter, aber billiges Fleisch. Auch wer ein Kilo Pute für 3,99 Euro kauft, demonstriert Marktmacht.

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