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WAZ: Weniger Lohn = mehr Inflation - Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Kaum Inflation in Deutschland, Deflationsängste in Südeuropa - mit derlei Nachrichten können viele Menschen hierzulande nichts anfangen, weil sie ihrer Lebenswirklichkeit widersprechen. Denn im Alltag gelten keine Durchschnittswerte. Wer gerade keinen neuen Computer und keine neue Waschmaschine kauft und womöglich wenig Auto fährt, der bekommt die Teuerung im Supermarkt sehr wohl zu spüren.

Menschen, die einen Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, dürfen sich wundern, dass Währungs- und Finanzexperten fachsimpeln, wie sie eine Deflation in den südeuropäischen Krisenstaaten verhindern, sprich die Preisschraube wieder lockern können. Interventionen, die den Preisverfall im Süden stoppen würden, gingen ohne Zweifel zulasten der Geringverdiener in Deutschland.

Gleichwohl: Die Gefahr einer neuen Abwärtsspirale am Mittelmeer kann gar nicht ernst genug genommen werden. Es ist die Pflicht der EZB-Währungshüter, sie zu verhindern. Doch egal, was sie tun - einem Teil Europas geriete dies zum Nachteil. Die Spaltung des Kontinents in einen armen Süden und reichen Norden macht zentrale Geldpolitik zur Gratwanderung. Die EZB steckt in einem Dilemma.

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