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WAZ: Karneval und Ausnahmezustand. Kommentar von Jens Dirksen

Essen (ots) - Karneval und Kriegsgefahr auf der Krim - das weckt ungute Erinnerungen an den Rosenmontag des Jahres 1991. Vier Wochen zuvor hatte der Westen damit begonnen, Saddam Husseins Truppen im besetzten Kuwait in den Irak zurückzudrängen. Dass man in Deutschland daraufhin die Züge absagte und der Karneval im Saale stattfand, ging auf eine Mischung aus Sicherheitsbedenken und Pietät zurück. Der politische Ausnahmezustand in der Ukraine wird aber nicht dafür sorgen, dass den Jecken heute ihr fröhliches "Alaaf" und "Helau" im Halse stecken bleibt. Vielleicht auch deshalb, weil der närrische Ausnahmezustand dringender denn je benötigt wird - in einer Zeit, in der Stundenpläne, Arbeitstage und sogar die Freizeitstunden straffer und effizienter durchgetaktet sind als je zuvor. Je stärker jemand sich gefesselt fühlt, desto ausgelassener geraten die Momente der Freiheit. Diese Freiheit bleibt übrigens selbst all jenen, die dem Faschingstreiben grundsätzlich nichts abgewinnen können. Sie haben ja immerhin die Möglichkeit, sich als Ausnahmen vom allgemeinen Ausnahmezustand zu verstehen.

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