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WAZ: Die Versuchung des Verdrängens. Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Latent wachsende Probleme haben selbst eines: Sie sitzen fest im kollektiven Gedächtnis, nur leider in einer grauen Zelle namens Verdrängung. Ob Staatsverschuldung, die Alterung der Gesellschaft oder die Überfischung und Vermüllung der Meere - jeder ahnt die Brisanz, dies aber schon so lange, dass er sich daran gewöhnt hat. Dass bis heute niemand sagen kann, ob Mikroplastik schädlich für den Menschen ist, trägt eher zur Beruhigung bei, es könnte ja auch unschädlich sein. Dies folgt einem sehr menschlichen Schutzreflex. Politiker aber sollten sich nicht auf ihr Gefühl verlassen. Ihre Aufgabe ist es, drohende Gefahren einzudämmen, selbst wenn sie noch nicht abschätzbar sind. Auf einen freiwilligen Verzicht der Industrie zu setzen, kommt einer Verweigerung gleich. Umgekehrt: Wenn doch offenbar selbst die großen Kosmetikhersteller erkannt haben, dass Plastik in ihren Produkten eigentlich nichts zu suchen hat, warum tut sich die Politik dann so schwer mit einem klaren Verbot? Darauf zu warten, dass sich das Problem von selbst erledigt und alles irgendwann gut wird, ist herzlich wenig.

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