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WAZ: Ohne Krücke geht es nicht - Kommentar von Julia Emmrich

Essen (ots) - Die Wirtschaft hat ein Frauenproblem. Das ist bekannt. Doch auch der Staat hat eins: Auf den Chefsesseln der Beteiligungsunternehmen von Bund, Ländern und Gemeinden sitzen ebenfalls fast überall Männer. Wen wundert's.

Die staatlich kontrollierte Welt ist nicht per se eine frauenfreundlichere Welt als die privatwirtschaftliche. Sie hat sogar oft noch größere Beharrungskräfte. Braucht es deswegen also eine Frauenquote auch für die öffentlichen Unternehmen - für Stadtwerke und Entsorgungsfirmen, Landesbanken und Sparkassen, Krankenhäuser oder Flughäfen?

Die Frauenquote ist eine Krücke. Zugegeben. Aber Krücken können hilfreich sein. Weil sie für Bewegung sorgen. Die Große Koalition will den großen, börsennotierten Unternehmen jetzt per Gesetz vorschreiben, mehr Frauen in die Spitzenjobs zu holen.

Das Gesetz kommt zu einem Zeitpunkt, wo es fast nicht mehr nötig ist. Die jahrelange öffentliche Debatte hat die Unternehmen aufgerüttelt - Frauenförderung ist für die meisten Betriebe kein Gedöns mehr, sondern Unternehmensziel. Die Krücke wirkt: Sie bewegt etwas. Schön. Noch schöner wäre es, wenn es auch mal ohne ginge.

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