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WAZ: Die alte, offene Grundsatzfrage. Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Die Zahl von 180000 Rumänen und Bulgaren, die auf den deutschen Arbeitsmarkt strömen, mag Ängste schüren, Abwehrreflexe auslösen und Europa-Skeptiker stärken - nur eines kann sie nicht: überraschen. Deutschland weiß seit 2007, dass seine Grenze 2014 auch für die neuen EU-Mitglieder fällt. Zeit genug, sich darauf vorzubereiten, doch mit dem jüngsten Jobwunder wähnte man seinen Arbeitsmarkt genug gewappnet. Aber der hat ein ungelöstes Problem: Die Langzeitarbeitslosen bleiben Zuschauer des Jobwunders. Vom beginnenden Fachkräftemangel haben sie mangels Qualifikation nichts. Dieses Problem bestand und besteht völlig unabhängig vom Zuzug aus Osteuropa, wird aber dadurch 2014 sicher nicht kleiner. Weder Schröder noch Merkel haben an diesem Sockel gerüttelt. Die Vorstellung, Geringqualifizierte mit Umschulungen kurzerhand zu Fachkräften zu machen, war naiv. Schwarz-Gelb hat die Fördermittel zuletzt gekürzt, was einer Aufgabe gleichkam. Denn was wirklich hilft, Lohnzuschüsse etwa, ist teuer. Die neue Regierung steht vor der alten Grundsatzfrage: Nimmt sie in Kauf, dass eine Million Menschen außen vor bleiben oder nicht? Im Koalitionsvertrag stehen dazu nur leere Worthülsen. Es wird Zeit, sie mit Inhalten zu füllen. 2014 ist bald.

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