WAZ: In Konzernen fehlt die Zivilcourage - Kommentar von Frank Meßing

Essen (ots) - Nach dem Tod von Patriarch Berthold Beitz und dem Ausscheiden von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme schon im März ist Heinrich Hiesinger der starke Mann bei Thyssen-Krupp. Mit großem Selbstbewusstsein bricht er nun die eherne Regel, Konzerninterna nicht nach außen zu tragen.

Hiesinger bestätigt, dass manche Dinge bei Thyssen-Krupp im vorauseilenden Gehorsam nicht angefasst wurden. Man gab vor, der Patriarch könne dagegen sein. "Das wird Beitz nicht mitmachen", hat der Konzernchef in den vergangenen drei Jahren oft gehört. "Tatsächlich hatte ihn wohl bis dahin niemand dazu befragt."

Hiesinger berichtet, dass Beitz sehr wohl Verständnis für den Verkauf der Edelstahlsparte, die Aufgabe der Jagdreviere hatte und die Entscheidung mittrug, keine Dividende auszuschütten. Man musste den mächtigen Chef der Krupp-Stiftung nur darauf ansprechen.

Bei Thyssen-Krupp fehlten also die Zivilcourage und der Mut der Mitarbeiter, Dinge, die schiefgehen, zu benennen. Ein Manko, das übrigens auch Bahnchef Rüdiger Grube für sein Haus ermittelt hat. Er nennt es eine "Kultur des Schweigens".

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