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WAZ: Für den Einzelnen gut, nicht für alle. Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Im Wartezimmer sind sie allgegenwärtig, die Zusatzangebote der Ärzte für ihre Patienten. Auf Postern und in Prospekten wird ihnen erklärt, worauf sie sich mal untersuchen lassen sollten und dass die geizige Kasse das leider nicht bezahlt. Zur Vorbeugung von Missverständnissen: Diese Krebs-Vorsorgeuntersuchungen können tatsächlich sinnvoll sein - aber nicht für jeden. Das sagen nicht nur die Kassen, sondern sie haben es für jede einzelne Untersuchung gemeinsam mit den Ärzten im Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen.

Wer sich unsicher fühlt, wer für sein Seelenheil die Gewissheit braucht, dass er gesund ist, sollte diese Tests machen. Und jeder, der nur wegen der Früherkennung noch lebt, wird für immer dankbar sein. Das Problem beginnt mit der Hochglanz-Vermarktung, die nicht von Ärzten, sondern von Werbeprofis gemacht wird. Auch das ist noch verkraftbar, solange der Arzt nicht selbst zum geschäftigen Verkäufer wird. Die meisten tun das nicht und sie wollen auch keine Kaufleute sein. Doch dass tausende Praxen jährlich an Fortbildungen zum Thema Umsatzmaximierung teilnehmen, lässt erahnen, dass dies nicht für alle gilt.

Letztlich braucht es den mündigen Patienten. Das ist er als Medizin-Laie per se erst einmal nicht, der Arzt muss ihn dazu machen. Wer dieses Gefühl nicht hat, sollte den Test verschieben und bei seiner Kasse nachfragen.

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