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WAZ: Arbeit am Menschen - Kommentar von Sigrid Krause

Essen (ots) - Kippt ein übermüdeter Bäcker aus Versehen die falsche Mischung in den Teig, ist das bitter für alle, die mit Genuss ins Brötchen beißen. Gibt ein übermüdeter Arzt das falsche Medikament aus oder operiert das falsche Gelenk, kann solch ein Versehen im schlimmsten Fall tödlich enden. Mindestens 340 000 Patienten werden in deutschen Kliniken jedes Jahr falsch behandelt, etwa 17 000 Menschen sterben an den Folgen, schätzt das Aktionsbündnis Patientensicherheit. Zum Vergleich: 4050 Tote gab es 2009 auf Deutschlands Straßen. Nicht jeder "Kunstfehler" ist bedingt durch überlange Arbeitszeiten. Doch das Risiko fataler Fehlentscheidungen oder Missverständnisse wächst proportional zum Dauerstress. Wir erwarten selbstverständlich, dass Ärzte ihre Arbeit am Menschen verantwortungsbewusst und engagiert erfüllen, dass sie sich - natürlich! - permanent fortbilden. Wer ihnen aber ständig Zwölf- bis 15-Stunden- Tage abverlangt, macht dies unmöglich. Viele Kliniken gehen mit ihrer Verantwortung offenbar zu sorglos um. Umso wichtiger ist die systematische Arbeitszeit-Kontrolle von außen. Kein Arzt dürfte etwas dagegen haben. Seine Patienten schon gar nicht.

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