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WAZ: Gefährlich sorglos - Kommentar von Christopher Onkelbach

Essen (ots) - Absolut sorglos seien sie und ihre Partner in jenen Jahre mit Sex umgegangen, gestand Nadja Benaissa vor Gericht. Wenn man etwas lernen will aus diesem Prozess mit prominenter Besetzung, dann ist es auch dies: Die Aids-Gefahr ist nicht gebannt, aus dem Gewöhnungseffekt ist über die Jahre eine lebensgefährliche Gleichgültigkeit geworden. Die HIV-infizierte Sängerin hatte ungeschützten Sex mit mehreren Partnern, ohne ihnen zu sagen, dass sie das Virus im Blut hat. Das gab sie zu. Die strafrechtlichen Konsequenzen muss sie nun tragen. Doch ist ihre "Sorglosigkeit" juristisch vergleichbar mit jener bösartigen Vorsätzlichkeit des 38-Jährigen, der absichtlich vier Frauen mit dem tödlichen Virus ansteckte? Ein Kölner Gericht verurteilte den Mann 2007 wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Jahren Gefängnis. Bei weitem nicht in jedem Fall kommt es beim Sex zu einer Ansteckung. Nadja Benaissa mag in gefährlicher Naivität darauf vertraut haben, was fahrlässig wäre, nicht jedoch vorsätzlich. Das verändert die Lage, juristisch und moralisch. Es bliebe indes der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung. Am Ende wird man auch über das Vorgehen der Justizbehörden sprechen müssen. Dass die Staatsanwaltschaft die HIV-Infektion der Sängerin publik machte, ist mit Bloßstellung nur unzureichend beschrieben.

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