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WAZ: Abschied einer Kirchenfrau. Kommentar von Angelika Wölk

Essen (ots) - Nur wenige Monate nach dem Rücktritt von Margot Käßmann verliert die evangelische Kirche eine zweite profilierte und prominente Frau in einem Spitzenamt. Es sind ungewöhnliche Zeiten für die Kirche. Doch die beiden Rücktritte können nicht mit einander verglichen werden. Es geht um ganz unterschiedliche Verfehlungen. Hier geht es um den - nicht geklärten - Vorwurf, einen Missbrauchsfall nicht intensiv genug verfolgt zu haben. Bei Margot Käßmann war es eine Autofahrt unter Alkoholeinfluss.

Doch eines verbindet sie beide und auch den Fall des katholischen Bischofs Walter Mixa: Leitende Geistliche müssen sich selbst vor aller Öffentlichkeit an den moralischen Ansprüchen messen lassen, die sie nach außen vertreten. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen. Doch die Vergangenheit lehrt, dass dies allzu oft frommes Wunschdenken war.

Diese Rücktritte zeigen aber, dass die Kirchen endlich erkannt haben, worum es geht. Sie bewegen sich. Eine gute Entwicklung.

Der jüngste Rücktritt zeigt aber auch, dass der Missbrauch nicht vor weltlichen Einrichtungen und auch nicht vor Konfessions-Grenzen Halt macht. Es ist nicht der Zölibat und nicht die demokratisch strukturierte Kirche - es ist vor allem das systematische Versagen gegenüber den Opfern, das Missbrauch gedeihen lässt.

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