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WAZ: Google und der Datenschutz - Knallhartes Geschäft - Leitartikel von Sven Frohwein

Essen (ots) - Google Street View ist eine tolle Sache. Mit nur wenigen Klicks über die Champs Élysées, mit einer Mausbewegung über den Times Square oder - ganz neu - durch die Fußballstadien der WM in Südafrika. Doch was nach lustiger Internet-Spielerei aussieht, ist knallhartes Geschäft. Street View, der virtuelle Straßenatlas des US-Suchmaschinenriesen, ist eine riesige Werbefläche - und der Nutzer der Konsument. Aus Sicht von Google ist nichts Verwerfliches daran zu finden. Der Weltmarktführer will - wie jede andere Firma auch - Geld damit verdienen. Dass Google dabei Persönlichkeitsrechte mit Füßen tritt und es mit dem Datenschutz nicht ganz so genau nimmt, ist vor allem einer verfehlten Internetpolitik geschuldet. Berlin hinkt den Entwicklungen im Netz Lichtjahre hinterher. Ein dumpfes Gefühl, der Politik fehle jedes Gespür für die zugegeben rasend schnellen Entwicklungen im World Wide Web, macht sich breit. Und der Nutzer besorgt den Rest. Denn die meisten Dienste funktionieren nur, wenn der Mensch mitspielt. Das ist mit Street View nicht anders. Wer sich gern den Times Square im Internet anschaut, muss akzeptieren, dass er dort Fotos seines Hauses findet - oder die Finger von solchen Dingen lassen.

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